Ein trauerndes Paar zieht sich in ihre einsame Hütte "Eden" in den Wäldern zurück. Nach dem Tod des kleinen Sohnes hoffen die beiden, dort ihre gebrochenen Herzen heilen und ihre kriselnde Ehe retten zu können.
Sie kämpft nach dem Tod des Kindes mit Trauer und Schuldgefühlen, die in ihr eine Depression hervorrufen. Er ist Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr fürchtet, therapieren.
Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten seiner Frau steckt - und in der Abgeschiedenheit der Hütte stürzen beide bald in eine Spirale aus Sex und Gewalt…
Fazit: Provokant, aber faszinierend
Lars von Triers neues Werk spaltete die Journalistenwelt bereits bei der Uraufführung in Cannes und sorgte für heftige Kontroversen. Man kann es den Kritikern nicht verdenken: Mit "Antichrist" hat von Trier eine ziemlich schwer verdauliche Mischung aus Horrorfilm, Beziehungsdrama und Psychostudie inszeniert, die mit ihren expliziten Sex- und Gewaltdarstellungen nichts für schwache Gemüter ist. Das Böse und Unkultivierte in der Natur - in Fauna, Flora, aber auch in jener des Menschen - ist zentrales Thema des Films und wird in gleichermaßen grausamen wie poetischen Bildern ausgiebig zur Schau gestellt. Dabei verwehrt sich von Triers vielschichtiges Werk eindeutigen Interpretationsversuchen und bietet in den drei Kapiteln "Trauer", "Schmerz" und "Verzweiflung" zahllose Motive und Anknüpfungspunkte. Von bisweilen plakativer Symbolik, Horrorzitaten und mythologischen Querverweisen macht der Regisseur reichlich Gebrauch - und mitunter wirkt seine über-ästhetisierte, symbolüberfrachtete und von ästhetischen Selbstverweisen durchsetzte Inszenierung, in der sich Schockszenarien mit fast albernen Momenten abwechseln, etwas zu gewollt provokativ. Nichtsdestotrotz vermag "Antichrist" zu faszinieren - zum einen wegen der intensiven Darstellerleistungen, vor allem aber aufgrund der schier atemberaubenden Aufnahmen: Die immense Schönheit der grandios komponierten Bilder kontrastiert auf spannende Weise mit den brutalen Gewaltszenen und schafft eine einzigartige Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Man wird das Kino vielleicht zwiegespalten verlassen - um eine einmalige Erfahrung ist man nach "Antichrist" aber immerhin reicher.